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Wenig Sozialhilfe, kaum Kindergeld: In der Not sind immer mehr Bedürftige in Spanien auf Essensspenden angewiesen. (Bild: Ay)

SPANIEN LIVE - 19.02.2014 - Sozialhilfe? Arbeitslosengeld? Kindergeld? Die spanische Regierung, die mit harten Kürzungen gegen die öffentliche Schuldenkrise kämpft, hat immer weniger Spielraum für soziale Hilfen. Dabei wäre gerade jetzt, im Königreich der Massenarbeitslosigkeit (27 Prozent) und Armut (28 Prozent laut Eurostat), staatliche Unterstützung dringend notwendig. Wegen lockender sozialer Wohltaten kommt derzeit also sicherlich kein EU-Bürger ins Euro-Krisenland Spanien.

Von der staatlichen Fürsorge haben verarmte Spanier wie ordnungsgemäß angemeldete und damit in Spanien steuerpflichtige EU-Ausländer kaum etwas zu erwarten. Grundsätzlich gilt im Jahr 2014: Sozialhilfe - im Schnitt etwa 350-400 Euro monatlich für den Haushaltsvorstand und rund 100 Euro zusätzlich für den Partner - wird angesichts einer Antragswelle oft erst nach monatelanger Wartezeit gewährt.

Oder auch gar nicht, weil kein Geld in der Kasse ist. Die Leistungsbedingungen variieren je nach Region, deren Verwaltung hier zuständig ist. Die Sozialhilfe ist oftmals befristet auf 12 oder 24 Monate. Und diese kleine Stütze reicht meist nicht einmal, um ein Dach über dem Kopf zu bezahlen.

Immer mehr Arbeitslose stehen ohne Hilfe da – In vielen Fällen müssen die Großeltern mit ihrer Rente mehrere Generationen durchbringen

Beim Arbeitslosengeld liegt der Satz für Alleinstehende - je nach vorherigem Einkommen - zwischen rund 500 und 1100 Euro. Hat der Arbeitslose Familie, werden noch einmal höchstens 300 Euro draufgelegt. Gezahlt wird maximal zwei Jahre lang. Anfang des Jahres 2014 bezogen knapp der Hälfte der sechs Millionen Arbeitslosen in Spanien keine Leistung mehr.

Auch wer Familiennachwuchs ernähren muss, kann sich nicht viel Hoffnung auf Unterstützung machen, denn es gibt kein nennenswertes Kindergeld: Bedürftigen Familien, mit einem Jahreseinkommen von weniger als 11.376 Euro, wird für jeden Minderjährigen ein mickriges Kindergeld von 24,25 Euro monatlich überwiesen.

Immerhin ist die Benutzung des staatlichen Gesundheitssystems weitgehend kostenlos. Der öffentliche Gesundheitsdienst wird aus der Steuerkasse und nicht mit Beiträgen der Versicherten finanziert. Die Kasse der Sozialversicherung (Seguridad Social), aus der Renten und Arbeitslosengeld gezahlt werden, speist sich hingegen aus den Beiträgen der Arbeitnehmer, Selbstständigen und Unternehmer.

Die Finanznot des Staates sorgt jedoch dafür, dass Leistungen des staatlichen Gesundheitsdienstes wie der Renten- und Arbeitslosenkasse immer weiter zusammenschmelzen. In Gesundheitszentren und Krankenhäusern wird hart gespart, Zuzahlungen für Medikamente werden fällig, medizinisches Personal wird entlassen. Mit der Folge, dass sich die Wartezeiten vor allem für den Facharztbesuch und Operationen verlängern und nicht selten Monate betragen können.

Weil es kaum soziale Unterstützung gibt, ist in Spanien im Notfall immer noch die Familie die beste soziale Absicherung

Grundsätzlich gilt in Spanien: Die Familie ist immer noch das beste soziale Netz. Ohne die Hilfe von Eltern, Geschwistern und vor allem von Oma und Opa kommen viele Bedürftige nicht über die Runden. In nicht wenigen Fällen müssen sich gleich mehrere Generationen mit der Rente der Großeltern durchschlagen.

Dabei sind die Senioren in Spanien ebenfalls nicht übermäßig gut ausgestattet. Die durchschnittliche monatliche Rente eines Pensionsberechtigten betrug Anfang 2014 etwa 990 Euro monatlich, die Hinterbliebenenrente lag im Schnitt bei 621 Euro im Monat.

Im Pflegefall können die Alten oder auch Behinderte kaum auf staatliche Hilfe hoffen: Die beitragsfreie spanische Pflegeversicherung, die sich ohnehin erst im Aufbau befand, wird schon wieder durch immer neue Kürzungen beschnitten - sodass viele Pflegebedürftige alleine oder mithilfe ihrer Angehörigen klarkommen müssen.

Weil der spanische Staat die bedürftigen Bürger zunehmend allein läßt, wird zudem die Rolle privater Hilfsorganisationen in Spanien immer wichtiger. Neben Caritas, Rotem Kreuz und der Lebensmittelbank versuchen inzwischen hunderte kleine Bürgerinitiativen und Kirchengemeinden vor Ort die schlimmste Not zu lindern. Etwa mit Suppenküchen, Geldsammlungen für Schulessen sowie Schulbücher oder mit Kleider- und Möbelspenden. Ralph Schulze

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