Doppelte_Nationalitaet

Zwei Pässe? Die Kinder aus gemischten Ehen haben auch in Spanien ein Recht darauf. (Bild: SpanienLive.com)

SPANIEN LIVE Service – Zehntausende Bürger aus Deutschland, der Schweiz und Österreich haben zugleich die spanische Staatsbürgerschaft. In der Regel, weil sie Kinder gemischtnationaler Ehen sind und die doppelte Staatsangehörigkeit durch Geburt erworben haben. Wer hingegen nicht durch Abstammung Spanier ist, sondern etwa nach Heirat eines spanischen Bürgers oder Geburt in Spanien einen Antrag auf Einbürgerung stellt, muss seine bisherige Staatsangehörigkeit meist abgeben.

Mehr als 100.000 Ausländer werden pro Jahr in Spanien eingebürgert und erhalten die spanische Nationalität. Voraussetzung ist normalerweise, dass die Wahlspanier zuvor mindestens zehn Jahre offiziell, also als legale Einwanderer, im spanischen Königreich gelebt haben. In Sonderfällen verkürzt sich diese Zeit: bei anerkannten Flüchtlingen auf fünf Jahre, bei Immigranten aus Lateinamerika auf zwei Jahre, bei Geburt in Spanien oder Ehe mit einem spanischen Staatsbürger auf ein Jahr.

Wer als deutscher Resident unter der Sonne unbedingt Spanier werden will, muss nach spanischem Recht auf seinen germanischen Pass verzichten

Allerdings verlangen die spanischen Behörden in vielen Fällen die Aufgabe der früheren Staatsangehörigkeit vor einer Einbürgerung. Aber es gibt, je nach Herkunft, Ausnahmen: Die doppelte Staatsangehörigkeit wird Einwanderern aus Lateinamerika und Portugal erlaubt, nicht aber EU-Bürgern (außer Portugiesen) und Schweizern. Weswegen auch kaum ein Spanienresident aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz auf die Idee kommt, sich Einbürgern zu lassen und die spanische Staatsangehörigkeit zu beantragen.

Übrigens: Auch ausländische Kinder, die in Spanien geboren werden, haben nicht automatisch die spanische Nationalität. Die Nachkommen eines deutschen Auswandererpaares auf Mallorca sind also zunächst deutsche Kinder. Aber die Eltern können in Spanien die Einbürgerung des Nachwuchses beantragen, die eingebürgerten Kinder müssten dann nach spanischem Gesetz auf die deutsche Nationalität verzichten. Weitere Infos gibt es bei den spanischen Auslandskonsulaten oder dem spanischen Justizministerium.

Nur bei Abstammung von einem spanischen Elternteil ist für EU-Ausländer und Schweizer in Spanien die doppelte Nationalität möglich

So ist also eine deutsch-spanische oder schweizerisch-spanische Doppelstaatigkeit bisher nur auf dem Wege der Abstammung aus einer gemischtnationalen Beziehung möglich. „Aus deutscher Sicht ist es dabei nicht erforderlich, dass sich das Kind irgendwann entscheiden muss“, wurde vom deutschen Konsulat auf Mallorca mitgeteilt. „Zumindest die deutsche Staatsangehörigkeit kann es grundsätzlich sein Leben lang neben der anderen durch Geburt erworbenen behalten.“ Kinder, die per Abstammung beide Nationalitäten erwerben, behalten also üblicherweise auch als Erwachsene die Pässe beider Länder.

Grundsätzlich empfiehlt es sich in gemischtnationalen Ehen, in Spanien wie auch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz die Geburt der Kinder sowie deren Staatsangehörigkeit bei den Behörden beider Länder dokumentieren zu lassen. Man sollte sich also um die entsprechenden Personendokumente (Geburtsurkunden, Ausweise) kümmern, um spätere Probleme zu vermeiden.

Bei Kindern aus gemischtnationalen Ehen sollten Geburt und Staatsangehörigkeit in den Registern beider Länder dokumentiert werden

Dabei sind mancherorts Anträge zu stellen und Fristen zu beachten, man sollte sich also rechtzeitig informieren. So kann zum Beispiel ein in Deutschland geborenen Spanier, der auch die deutsche Nationalität hat, die spanische Staatsangehörigkeit entzogen bekommen, wenn nicht bis zum 21. Lebensjahr die spanischen Papiere beantragt wurden, teilte das spanische Konsulat in Frankfurt mit. Auch Deutschland verleiht an Kinder, die im Ausland geboren wurden, erst nach Antrag die deutsche Nationalität. Weitere Infos dazu gibt es auf der Webseite der Deutschen Botschaft in Madrid.

Wer sich trotz aller Hürden für die Einbürgerung in Spanien interessiert: Die Kandidaten müssen in Spanien neben den üblichen Ausweis- und Geburtsdokumenten ein polizeiliches Führungszeugnis aus dem Heimatland vorlegen. Bei Vorstrafen im früheren Heimatland oder auch in Spanien wird der Einbürgerungsantrag abgelehnt. Neben der „guten Führung“ ist ein festes Einkommen notwendig, damit der Neuspanier nicht gleich dem Staat auf der Tasche liegt: Das kann etwa durch einen Arbeitsvertrag oder die Steuererklärung geschehen.

Einbürgerungsprüfungen finden im Prinzip nicht statt. Wohl müssen aber die Kandidaten vor einem Zivilrichter der spanischen Krone „Treue“ und gegenüber der Verfassung „Gehorsam“ schwören. Der Richter darf auch Fragen stellen, „um den Grad der Anpassung an die Kultur“ zu prüfen und um die Erschleichung der Nationalität etwa durch Scheinehen zu verhindern. Ralph Schulze