Uebersetzungsprobleme Merkel Rajoy

Probleme bei der Verständigung? Ohne offizielle Dolmetscher und Übersetzer läuft es in den deutsch-spanischen Beziehungen meist nicht. (Bild: gob)

SPANIEN LIVE Service – Was macht eigentlich ein beeidigter Übersetzer? Was sind beglaubigte Übersetzungen? Wofür braucht man sie in den deutschsprachigen Ländern oder in Spanien? Und vor allem, wie und wo findet man einen staatlich ermächtigten Übersetzer, der zum Beispiel offizielle deutsche Dokumente ins Spanische überträgt? André Höchemer, beeidigter Übersetzer im spanischen Valencia, erklärt hier alles, was man zum Thema wissen muss.

Wer wegen Hochzeiten, Todesfällen, Geburten, Wohnsitzwechseln, Auslandsstudien, Arbeitssuchen, Immobilien- oder Fahrzeugkäufen oder anderen Rechtsgeschäften als Deutscher in Spanien (oder auch als Spanier in Deutschland) Behördengänge erledigen muss, kommt um einen bestimmten Dienstleister nicht herum. In Spanien heißt er „traductor e intérprete jurado“, also „beeidigter Übersetzer und Dolmetscher“. Aber oft ist auch von „traductor oficial“ die Rede, da es sich um einen vom spanischen Außenministerium (Ministerio de Asuntos Exteriores y de Cooperación) vergebenen amtlichen Titel handelt, der – anders als die Bezeichnung „jurado“ vermuten lässt – mit keinerlei Vereidigung oder Eid verbunden ist.

Auf Deutsch spricht man unter anderem von einem „öffentlich bestellten Übersetzer/Dolmetscher“, denn er wird in Deutschland von einem Landgericht für das betreffende Bundesland bestellt. In der Schweiz und in Österreich wiederum verwendet man die Bezeichnungen „vereidigte Übersetzer“ bzw. „allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Dolmetscher“.

Die von ihm angefertigte Übersetzung nennt man meist „beglaubigte Übersetzung“, da die Übereinstimmung der Übersetzung mit dem Original beglaubigt wird. Diese vielen Bezeichnungen mögen verwirrend wirken, doch sollen sie nicht von den grundlegenden Informationen zu diesem Thema ablenken, weshalb im Folgenden schlicht von einem „beeidigten Übersetzer“ und einer „beglaubigten Übersetzung“ gesprochen wird.

 

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema

 1. Was unterscheidet eine (in Spanien) beglaubigte Übersetzung von einer normalen Übersetzung?

Die beglaubigte Übersetzung muss zur Vorlage bei Behörden und Ämtern von einem beeidigten Übersetzer unterzeichnet und abgestempelt werden. Deshalb kann sie nur von einem entsprechend ermächtigten Übersetzer erstellt werden, der per Unterschrift und Stempel beglaubigt, dass die Übersetzung originalgetreu ist. Die ebenfalls hinzugefügten Beeidigungsformeln können unterschiedlich lauten, und auch die Stempel der Freiberufler sind nicht immer gleich, enthalten aber in jedem Fall den Namen des Übersetzers, die Sprache, für die er ermächtigt ist, und seine Kontaktdaten.

 

2. Warum ist eine beglaubigte Übersetzung generell teurer als eine „normale“ Übersetzung?

Zunächst einmal ist mit der Übersetzung von amtlichen Dokumenten, Verträgen, usw. eine große Verantwortung verbunden, weshalb viele beeidigte Übersetzer eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen, um sich gegen eventuelle Probleme aufgrund eines Übersetzungsfehlers abzusichern. Beeidigte Übersetzer erfordern ferner angesichts der Art der Texte (Rechtstexte, Amtspapiere, usw.) eine spezifische Aus- und Weiterbildung. Darüber hinaus handelt es sich bei den Originalen meist um anspruchsvolle Dokumente, die oft als (schwer leserliche) Bilddateien oder mit schwierigen Formaten (Formulare, Bilder, Tabellen, usw.) daherkommen und deshalb mit einem erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden sein können. Zu guter Letzt kommt als weiterer Kostenfaktor hinzu, dass die beglaubigten Übersetzungen meist postalisch oder per Botendienst verschickt werden und daher auch die Versandkosten und/oder der Gang zum Postamt berücksichtigt werden müssen.

 

3. Ist die von einem in Spanien ermächtigten Übersetzer auch im deutschsprachigen Ausland gültig?

Jein, denn das hängt von der Kulanz der Behörden oder Beamten ab, bei denen die Übersetzung vorgelegt werden soll. Mir persönlich ist es in über sieben Jahren als „traductor e intérprete jurado“ noch nicht passiert, dass meine Übersetzungen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz abgelehnt worden wären. Es könnte aber durchaus vorkommen, wenn sich beispielsweise der Empfänger weigert, meinen auf Spanisch verfassten Stempel anzuerkennen, wenngleich meine Beglaubigungsformel am Ende der Übersetzung auch auf Deutsch vorhanden ist. In jedem Fall sollte man sich zunächst bei den betreffenden Behörden oder Beamten erkundigen, ob es Probleme mit der Anerkennung einer in Spanien angefertigten beglaubigten Übersetzung geben könnte, um unnötige Kosten zu vermeiden.

 

4. Welche Dokumente erfordern eine beglaubigte Übersetzung?

Meist handelt es sich um Bescheinigungen, Beglaubigungen, Zeugnisse, Verträge, Urkunden und andere amtliche Dokumente, die im Ausland verwendet oder vorgelegt werden müssen. Da die Anforderungen je nach Behörde oder Organisation unterschiedlich sein können, sollte man sich zunächst erkundigen, ob wirklich eine beglaubigte Übersetzung erforderlich ist oder ob nicht doch eine einfache Übersetzung ausreicht. So erspart man sich unangenehme Überraschungen bei der Einreichung der Übersetzung und vor allem unnötige Ausgaben (siehe vorstehenden Punkt).

 

Uebersetzer

„Beeidigter Übersetzer und Dolmetscher“ darf sich in Spanien nur nennen, wer den vom spanischen Außenministerium vergebenen amtlichen Titel besitzt.

 

5. Muss man dem Übersetzer die Originaldokumente vorlegen?

Das hängt ehrlich gesagt vom Kriterium jedes Übersetzers ab. Da es wegen der Entfernung oder aus Zeitgründen oft nicht möglich ist, dem Übersetzer die Originale vorbeizubringen oder mit der Post zukommen zu lassen, reicht es, ihm die Dokumente gescannt zuzuschicken, die dann ebenfalls ausgedruckt und gestempelt an die Übersetzung angehängt werden.

 

6. Wo erfährt man, welcher Übersetzer in Spanien als „traductor e intérprete jurado“ zugelassen ist?

Das Oficina de Interpretación de Lenguas des spanischen Außenministeriums erstellt und aktualisiert eine Liste mit den gegenwärtig in Spanien zugelassenen beeidigten Übersetzern und Dolmetschern. Die aktuelle Version dieser Liste stammt vom 1. April 2014 und kann als PDF-Datei abgerufen werden. Die Liste ist alphabetisch – nach Sprache und Wohnsitz der Übersetzer – geordnet und enthält neben den Kontaktdaten auch das Jahr ihrer Ermächtigung; die für die deutsche Sprache ermächtigten Dienstleister findet man gleich zu Beginn der Liste.

 

7. Gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch beeidigte Übersetzer?

Ja, natürlich, allerdings findet man in den deutschsprachigen Ländern keine amtlichen Listen wie in Spanien. Die meisten der dort tätigen beeidigten Übersetzer können jedoch über die Datenbanken der jeweiligen Berufsverbände abgefragt werden. Beispielsweise in Deutschland auf der Website des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ), in Österreich auf der Website des Österreichischen Verbandes der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher und in der Schweiz auf der Website des Schweizerischen Vereins vereidigter Übersetzer (ASTJ).

 

8. Was hat es mit der sogenannten Apostille auf sich?

Die Apostille bescheinigt den Ursprung einer Urkunde und dient zu deren Vorlage im Ausland. Konkret beglaubigt die Apostille die Unterschrift des Unterzeichners der Urkunde und kann je nach Land bei folgenden Behörden angefordert werden: Deutschland, Österreich, Schweiz, Spanien. Die betreffende Urkunde ist gegebenenfalls vor ihrer beeidigten/vereidigten Übersetzung mit der Apostille zu versehen, wenn diese von der Behörde im Zielland verlangt wird, und wird dann mitübersetzt.

 

9. Gibt es mittlerweile nicht auch internationale Urkunden?

Ja, die gibt es, zum Beispiel internationale Heirats- und Geburtsurkunden, die bereits mehrsprachig sind und deswegen keine beglaubigte Übersetzung erfordern. Auf den ersten Blick scheint es, als seien sie nur dreisprachig – auf Deutsch, Französisch und Englisch – verfasst, doch findet man am Ende eine Legende in weiteren Amtssprachen (siehe Abbildung). Nähere Informationen erhält man beim zuständigen Standesamt oder bei der nächstgelegenen Auslandsvertretung des Heimatlandes. André Höchemer

Der Autor André Höchemer ist seit über zwölf Jahren als freiberuflicher Übersetzer und Dolmetscher tätig, seit 2007 auch als beeidigter Übersetzer und Dolmetscher. Er ist Autor des Buches „Man spricht Spanisch! Spanische Wortschätze auf gut Deutsch“ und führt einen zweisprachigen Blog namens „Diario de un alemol / Tagebuch eines Alemols“. Wer Kontakt zu André Höchemer aufnehmen möchte, findet die Daten auf seiner Homepage.

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