Tiersegnung

Der Herr segne dieses Tier: Sankt Antonius soll die Vierbeiner schützen. (Bild: spb)

SPANIEN LIVE Bräuche - In Madrid gehen manchmal auch die Vierbeiner zur Kirche. Einmal im Jahr dackelt eine Heerschar von Haustieren samt Besitzern zum Gotteshaus San Antón im Zentrum der spanischen Hauptstadt, um beim Pfarrer zur Segnung vorbeizuschauen. Ein wahrhaft tierischer und uralter Brauch, der übrigens auch in anderen spanischen Städten und Dörfern gepflegt wird.

Wer an diesem Tag durch die Calle Hortaleza in Spaniens Hauptstadt Madrid spaziert, merkt schnell, dass etwas Besonderes los ist: Die Polizei hat die Straße im Stadtteil Chueca für den Verkehr gesperrt, ein Blasorchester spielt, Neugierige fotografieren und filmen an jeder Ecke und vor allem: Tiere. Überall sind Tiere. Hunde bellen sich an, Katzen werden durch die Gegend getragen. Man trifft auch auf Hamster oder Frettchen, selbst Vögel und Reptilien haben sich eingereiht.

Viele Tierfreunde glauben an die Kräfte von San Antón: „Meine Katze war noch nie krank, und deshalb kommen wir jedes Jahr wieder“

Es ist der Tag des Heiligen Antonius, der Día de San Antón. In Gedenken an den Schutzpatron der Tiere wird Mitte Januar in vielen spanischen Orten ausgiebig gefeiert - und am 17. Januar werden die Haustiere gesegnet. „Ich bin mit meiner Katze Mun jetzt das elfte Mal hier“, erzählt Domy Cristobal, während sie vor der Madrider Kirche San Antón ihrem schneeweißen Schmusetier den Nacken krault. „Sie war noch nie krank, und deshalb kommen wir jedes Jahr wieder.“

Die Madrilenen vor der Iglesia de San Antón kümmern sich aber nicht nur um das Wohl ihrer Haustiere, sondern auch um ihr eigenes. Zum Brauch gehört, dass einige Meter neben dem geöffneten Kirchenportal runde Mini-Brote verkauft werden. „Früher haben wir die in der Messe kostenlos bekommen, heute werden sie für sechs Euro pro Dutzend angeboten“, sagt Andrés Fernández. Er kommt jedes Jahr nur wegen dieser „panecillos de San Antón“ vorbei.

Hunde und Katzen bekommen den Segen, Frauchen und Herrchen „panecillos“ – Beides dient dem Schutz gegen Sorgen und Probleme

Der Tradition zufolge soll man sie im Laufe des Tages verzehren: Aber wenigstens ein „panecillo“ muss man zusammen mit einer Münze genau ein Jahr lang im Schrank aufbewahren. Am Antonius-Tag des Folgejahres soll es dann gegessen werden, damit man weder Probleme mit Geld noch mit der Gesundheit bekommt. „Wenn man es in Alufolie einwickelt, ist es im nächsten Jahr wirklich noch essbar“, schwört der Rentner Fernández. „Das Brot wird weder hart noch schlecht.“

Nebenan steht der Pfarrer im Kirchenportal, besprengt gerade die Katze Mun mit Weihwasser und spricht die Worte: „Der Herr segne dieses Tier und der Heilige Antonius möge seinen Körper vor allem Unheil bewahren.“ Das ist an diesem Tag der wichtigste Satz für Haustierbesitzer in Madrid.

Kommen die Haustiere auch in den Himmel? – In das Gotteshaus dürfen sie jedenfalls nicht: Sie müssen draußen bleiben

Für die 52 Jahre alte Beatriz Noboa hat die Segnung eine besondere Bedeutung. Sie ist mit ihrem Chihuahua Nina hier. „Nina hatte sich im Sommer ein Bein gebrochen“, berichtet Noboa. „Damit das nicht wieder passiert, sind wir hergekommen.“ Und: „Ich würde nicht sagen, dass Nina nach dem Tod in den Himmel kommt, aber durch die Segnung ist sie auf jeden Fall für dieses Jahr geschützt.“

In die Kirche dürfen die Tiere übrigens nicht, denn obwohl sie an diesem Tag im Mittelpunkt stehen, gilt für die Iglesia de San Antón wie immer: Tiere müssen draußen bleiben. Simon P. Balzert

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