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Caganer

Spanische Weihnachten: Hose runter - der Caganer bereichert in Spanien viele Krippen. (Bild: caganer.com)

SPANIEN LIVE - Weihnachtsbräuche in Spanien: Josef und Maria mit dem Jesuskind, Hirten und Schafe, der Engel und die Drei Heiligen Könige – die Figuren der Weihnachtskrippe sind in der gesamten christlichen Welt mehr oder weniger identisch. Aber ein Mann, der mit heruntergelassener Hose am Rande von Christi Geburt seine Notdurft verrichtet, passt nicht gerade gut ins traditionelle Bild. Doch genau diese Figur ist in Katalonien, der nordostspanischen Region rund um Barcelona, ein wichtiger Bestandteil der Weihnachtskrippe.

Caganer heißt diese Figur auf Katalanisch, übersetzt bedeutet das so viel wie „Scheißerchen“. Seit mehreren hundert Jahren ist diese unübliche Krippenfigur Tradition im spanischen Nordosten. Und sie zog inzwischen auch in ganz Spanien in viele Krippen ein.

Über den Ursprung des Caganers gibt es viele Theorien. Die schlüssigste ist eine Verbindung aus folgenden zwei Erklärungen: Historiker konnten belegen, dass die Figur im 17. oder 18. Jahrhundert zum ersten Mal in den Krippen der Katalanen auftauchte. Bis dahin waren lediglich Könige oder Mitglieder der oberen Gesellschaft als Personen in der Geburtsszene Christi vertreten. Mit dem aufkommenden Realismus sowie der Abbildung der Alltagswelt in Kunst und Kultur tauchte auch der Caganer auf: Ein traditionell gekleideter Bauer, der – mehr Alltagswelt geht nicht – mit heruntergelassener Hose in eine Ecke der Weihnachtskrippe kotet.

Sogar die katholische Kirche hat nichts dagegen, dass der Caganer neben dem Jesuskind sein Geschäft verrichtet

Die zweite Erklärung verweist auf den Caganer als Symbol für den Kreislauf des Lebens und die bodenständige Verbundenheit mit der Natur. Er düngt mit seiner Notdurft die Erde – das soll ein erfolgreiches Jahr versprechen.

Der Brauch wirkt fast ein wenig blasphemisch auf den Betrachter. In Katalonien ist die Figur aber so tief in der Weihnachtstradition verankert, dass selbst die katholische Kirche Spaniens den seltsamen Glücksbringer in der Krippe akzeptiert. Er sticht sowieso nicht direkt ins Auge: Der Caganer steht nicht im Vordergrund der Geburtsszene, sondern wird traditionell in einer Ecke der Krippenlandschaft versteckt.

Nicht nur den Kindern macht es Spaß, den sich entleerenden Bauern unter einer Brücke, hinter einem Baum oder zwischen den Schafen der Hirten zu entdecken. Es gibt sogar offizielle Fanclubs und Kulturvereine, die sich dem „Scheißerchen“ widmen.

Auch Spaniens König, Staatspräsidenten oder Fußballstars tauchen mit entblößtem Hintern in der christlichen Weihnachtsszene auf

Der Caganer ist aber längst nicht mehr nur in katalanischer Bauerntracht gekleidet und an seiner roten Mütze, der Barretina, erkennbar. Es gibt ihn als Frau, als Arzt, als Astronaut, als Spongebob und als König Juan Carlos. Außerdem gibt es Versionen von fast allen Politikern, Sportlern und Prominenten. Barack Obama, Angela Merkel und Wladimir Putin stehen schon seit Jahren in katalanischen Krippen. Auch Frankreichs Präsident François Hollande ist neuerdings mit heruntergelassener Hose dabei.

Personen des öffentlichen Lebens, denen ein eigener Caganer gewidmet wird, kommentieren ihre Abbilder normalerweise entweder gar nicht oder zeigen sich erfreut. Immerhin schaffen sie es so in tausende von Weihnachtskrippen. Víctor Valdés, Torhüter des FC Barcelona, postete sogar auf seinem Facebook-Profil vor wenigen Wochen stolz ein Foto von sich mit seinem eigenen Caganer.

Die Katalanen pflegen neben dem Caganer noch andere merkwürdige Bräuche - Ein „Pinkler“ und ein Holzklotz mit Gesicht erleichtern sich

Skurrilerweise ist der Caganer nicht die einzige katalanische Weihnachtsfigur, die mit körperlichen Ausscheidungen auf sich aufmerksam macht: So gibt es seit einigen Jahren den Pixaner („Pinkler“), der als Gegenstück zum Caganer in eine Ecke der Krippenlandschaft uriniert.

Eine längere Tradition aber hat in Katalonien der Tió de Nadal („Weihnachtsbaumstamm“). Dieser kleine oder auch große hohle Holzklotz mit aufgemaltem Gesicht und Barretina-Mütze wird – außerhalb der Krippe – ab dem 8. Dezember von Kindern mit Obststückchen „gefüttert“ und zugedeckt, damit er nicht friert. An Heiligabend ist er dann so voll, dass er sich entleeren muss.

Katalanische Kinder singen ihm ein traditionelles Lied mit der Titelzeile „Caga tió“, also in etwa „Geh scheißen, Baumstamm“. Sittlich übersetzt heißt dies soviel wie: „Mach schon, gib her.“ Und dann ziehen die Kinder die Decke weg, unter der die Eltern vorher Süßigkeiten und kleine Geschenke versteckt hatten. Die eigentliche Bescherung gibt es wie in ganz Spanien erst am 6. Januar, wenn die Heiligen Drei Könige kommen – fäkalfrei. Simon P. Balzert

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