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Osterbräuche in Spanien - ein Volksfest zur Semana Santa: Wenn die Marien-Statue aus der Kirche getragen wird, wollen ihr Tausende so nah wie möglich sein. (Bild: tur)

SPANIEN LIVE Bräuche – Gespenstische Szenen spielen sich in der Karwoche an den Tagen vor Ostern, in der „Semana Santa“, in vielen spanischen Städten und Dörfern ab. Gestalten mit langen Kutten und vermummten Gesichtern, spitzen Kapuzen oder Gesichtsmasken, ziehen schweigend durch die Straßen in Spanien. Vor allem Männer, aber auch zunehmend Frauen. Viele gehen barfuß übers Kopfsteinpflaster. Einige schleppen Kreuze auf der Schulter, andere markieren mit dumpfen Trommelschlägen den Schritt der Prozession, die sich durch die Gassen windet. Nachts werden Fackeln und Kerzen mitgetragen.

Spaniens Semana Santa, die „Heilige Woche“, welche vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag dauert, wird mit tausenden Prozessionen im ganzen Königreich gefeiert. In vielen Orten, vor allem im südspanischen Andalusien, sind diese religiösen Traditionsspektakel in der Karwoche längst zur Touristenattraktion geworden. Allein in Sevilla sind in diesen Tagen mehr als eine Million Menschen auf den Straßen, um die religiösen Umzüge zu beobachten.

Tränen, Gebete und Flamenco-Gesänge – Stundenlange Prozessionen durch die Straßen im Rhythmus der Trommeln

Hauptattraktion  der langen Prozessionen, von denen allein in Sevilla Dutzende durch die Straßen ziehen, sind jeweils die kostbaren Heiligenfiguren, die auf schweren Plattformen mitgetragen werden. Nicht wenige Menschen am Straßenrand weinen, wenn die Heilige Jungfrau vorbeizieht. Sie versuchen, die Marienfigur zu berühren, bekreuzigen sich, falten die Hände zum Gebet. Auf manchen Wohnungsbalkonen oder am offenen Fenster singen Gläubige bewegende Flamenco-Lieder, in denen es um die „Leiden von Jesus am Kreuz“ und „die Tränen der Jungfrau“ geht. 

Dutzende „costaleros“, die Lastenträger, welche für diese Tage monatelang trainiert haben, schleppen die gigantischen Marien- und Christusaufbauten („pasos“) auf Nacken und Schultern. „Wir bringen Dich dorthin, wo Du hin möchtest“, rufen die „costaleros“, bevor sie ihr Leidenswerk beginnen. Viele Kilometer und stundenlang, manchmal sogar die ganze Nacht, geht es im Rhythmus der Trommeln von der Gemeindekirche durch die Altstadt bis zur Kathedrale - und zurück. Ein Kraftakt, der blutige Spuren am Körper hinterlässt. Das gehört zur Buße, welche sich die teilnehmenden Laienbruderschaften auferlegt haben.

Religiöses Fest und feuchtfröhliche Fiesta – Der stillen Andacht folgt vielerorts ausgelassenes Treiben in den Bars

Doch Spaniens weltberühmte Semana Santa, mit der seit dem Mittelalter dem Tod von Jesus Christus gedacht wird, ist nicht nur in Sevilla immer weniger eine rein religiöse Trauerwoche. Dafür aber immer mehr ein rauschendes Massenvolksfest. Vor und erst recht nach den Prozessionen füllen sich Bars und Restaurants. Bier- und Weinstuben machen Rekordumsätze. Der Frömmigkeit folgt ausgelassener Frohsinn, das religiöse Fest mündet vielerorts in eine feuchtfröhliche Fiesta. In vielen spanischen Städten wurden die Osterfeierlichkeiten inzwischen ganz offiziell zu „Festen von nationalem touristischen Interesse“ ernannt.

Natürlich gehört in Spanien auch zum Osterfest gutes Essen. Besonders typisch ist in der Karwoche süßes Gebäck wie etwa die „torrijas“: Weißbrotscheiben, die mit Milch, Zucker, Ei getränkt und anschließend in heißem Öl frittiert werden. Oder die „flores de semana santa“, blumenförmige und knusprige Gebäckteile.

Und Dank hunderttausender nordeuropäischer Einwanderer und Touristen hoppeln inzwischen auch die Osterhasen, die ja bisher vor allem den deutschsprachigen Raum bevölkerten, mit ihren Körbchen voller Schokoladen-Eier durch die spanischen Supermärkte. Ralph Schulze