Karneval_auf_Teneriffa_

Viel nackte Haut unter der spanischen Sonne: Der Karneval auf Teneriffa gilt als der heißeste in Europa. (Bild: tur)

SPANIEN LIVE Bräuche – Karnevals- und Faschingsmuffel, die dem närrischen Treiben in der kalten Heimat entfliehen wollen und in Spanien Zuflucht suchen, könnten vom Regen in die Traufe kommen. Denn was die wenigsten Nordlichter wissen: Auch viele Südländer verwandeln sich in „carnavaleros“, wie die Jecken oder Narren in Spanien gerufen werden. Und in den spanischen Hochburgen der Heiterkeit, den „cunas del carnaval“, wie etwa Santa Cruz de Tenerife, Las Palmas de Gran Canaria oder Cádiz in Andalusien geht es kaum weniger verrückt zu als in den deutschsprachigen Karnevals-Epizentren.

Auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa zum Beispiel, wo man sich fast in den weltberühmten brasilianischen Karneval von Rio versetzt fühlt: Mit einer Karnevalskönigin („reina del carnaval“), die viel nackte Haut zeigt, heißen Sambarhythmen, wildem Straßentreiben - und natürlich meist mit viel Sonne, die zusätzlich das Herz wärmt. Die „carnavaleros“ verwandeln die Straßen der Inselhauptstadt Santa Cruz in eine riesige Open-Air-Fiesta.

Santa Cruz de Tenerife ist vermutlich die heißeste Karnevalshochburg Europas - Karibische Nächte auf den Kanaren

Den närrischen Auftakt in Santa Cruz de Tenerife, welche von sich behauptet, die wahre Karnevalshochburg Europas zu sein – die wärmste ist es zweifellos, macht ein farbenprächtiges und kurvenreiches Spektakel: Die öffentliche Wahl der Karnevalskönigin, eine Bühnenshow, die in manchem einer Miss-Wahl gleicht. Hübsche junge Frauen treten vor einer strengen Jury und einem johlenden Publikum an - in der Hoffnung, sich die glitzernde Krone aufsetzen zu dürfen.

Die Kandidatinnen tragen, als Grundausstattung, einen perlenreich verzierten Bikini, der an heiße karibische Nächte erinnert. Dann klettern die jungen Damen in gigantische, farbenprächtige Kostüm-Konstruktionen, die mehrere zehntausend Euro kosten können. Die Schönen würden unter der Last ihrer ausgreifenden und bis zu 100 Kilo schweren Kleidungsträume zusammenbrechen, wenn die Kostüm-Designer nicht kleine Räder unter diese Kostümaufbauten schrauben würden. „Olé, bravo“, singt das stampfende Publikum anerkennend und tanzt begeistert vor der Bühne.

Wer schlafen will, sollte Karneval besser nicht in Santa Cruz Urlaub machen – Auf der Straße tanzen bis zum Umfallen

An Schlafen ist an den Karnevalstagen in Santa Cruz kaum zu denken, die Nacht wird zum Tage. Bis zum Morgengrauen tanzen die Menschen auf den Plätzen der Stadt – eine große Freiluft-Diskothek. Sambatänzerinnen, Musikanten und Karnevalszüge ziehen durch die Gassen. „Der Karneval ist die Seele von Santa Cruz“, sagen stolz die Bewohner. Feiern, das ist das, was man auf dem Eiland ohnehin am liebsten macht. Kein Wunder, bei einem freundlichen Klima, das Teneriffa den Beinamen „Insel des ewigen Frühlings“ einbrachte.

Aber auch in vielen anderen spanischen Städten wird ziemlich heftig gefeiert mit Festen und farbenfrohen Umzügen: Neben Santa Cruz gehören zu den bekanntesten Karnevals-Hochburgen: Las Palmas de Gran Canaria, Cádiz, Badajoz, Ciudad Rodrigo, Salamanca und Tarragona. Auch in der Hauptstadt Madrid zieht am Karnevalssamstag ein bunter Zug durch die Innenstadt.

Bei den Umzügen regnet es Konfetti statt „caramelos“ – Am Aschermittwoch wird der Karneval mit der „Beerdigung der Sardine“ zu Grabe getragen

„Esto es carnaval, das ist Karneval“, singen die Menschen auf den Straßen. Übrigens: Die Gefahr, während der spanischen Umzüge von "caramelos" am Kopf getroffen zu werden, ist relativ gering. Mit Süßigkeiten bombardiert man hierzulande die Menschheit vorzugsweise während der Weihnachtsumzüge am Vorabend des Dreikönigstages. Zu Karneval regnen dafür vor allem viel Konfetti, Luftschlangen und heiße Musik nieder.

Am Aschermittwoch wird der Karneval dann mit der „Beerdigung der Sardine“ zu Grabe getragen. Ein Schlussakt, der die Karnevalsgemeinde in tiefe Trauer verfallen lässt. „Wir sind gekommen, um unsere Sardine zu beerdigen, unser Herz ist von Trauer gebrochen, so groß ist der Schmerz, der uns erfüllt, als wäre es der Tod eines Haifisches“, spricht der schwarz befrackte Grabredner, bevor die geschmückte Holz- oder Papp-Sardine per Verbrennung „beigesetzt“ wird. Die Gemeinde verfällt in melancholisches Trauergeheul und stürzt sich dann in die letzte rauschende Nacht. (Spanien Live)