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Semana_Santa

Religiöse Umzüge: Büßergewand, Kapuze und barfuß - so feiern die Laienbrüder Ostern. (Bild: tur)

SPANIEN LIVE Bräuche – Feiern ist das, was die Spanier am liebsten machen, behauptet der Volksmund. Richtig ist jedenfalls, dass eigentlich immer in irgendeinem Ort des spanischen Königreichs gerade „fiesta“ ist. Da wird getrommelt, mit Tomaten geschmissen, mit Stieren gekämpft oder der Schäferhund gesegnet. Kuriose Feste und alte Bräuche, die auch im Zeitalter von Hochgeschwindigkeitszügen und Internet fortleben. Eine Reise mit SPANIEN LIVE zu den wichtigsten spanischen Volksfesten.

Semana Santa: Religiöse Prozessionen durch die Altstadt im Fackelschein

Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen gehört sicher die „Semana Santa“, die Karwoche. Zwischen Palmsonntag und Ostersonntag holen die verschiedenen Bruderschaften und Gemeinden ihre Marien- und Jesus-Statuen aus den Kirchen und tragen sie in stundenlangen Prozessionen durch die Straßen.

Die Büßergewänder, altertümlichen Kapuzen und das rhythmische Trommeln im Fackelschein wecken religiöse Gefühle und haben etwas durchaus Faszinierendes. Fast fühlt man sich ins Mittelalter versetzt, etwa auf Ibiza, wo sich der religiöse Umzug aus der Altstadt zum Hafen herunterwindet.

Vor allem in den andalusischen Städten Sevilla und Cordoba ziehen die Prozessionen hunderttausende von Menschen an. Der Semana Santa folgt dann in Sevilla auf den Fuß die feuchtfröhliche und farbenprächtige „Feria de Abril“, das prachtvollste Frühlingsfest Andalusiens.

Trommelfest in Calanda: Ein Tag und eine Nacht auf die Pauke hauen

Trommeln, bis die Ohren abfallen, ist ein uralter Semana-Santa-Brauch in der Region Aragonien, der vor allem in Calanda, dem Geburtsort des weltberühmten spanischen Filmregisseurs Luis Buñuel, zelebriert wird. An die 1500 Trommler hauen von Karfreitag 12 Uhr bis Samstag 14 Uhr auf Pauken und Trommeln, die verschiedenen Percussion-Gruppen tragen mit unterschiedlichen Rhythmen regelrechte Duelle aus.

Den Filmemacher Buñuel hat das nachhaltig beeindruckt: „Dieses Trommeln, ein unglaubliches, mächtiges, kosmisches Phänomen, das das kollektive Unterbewusstsein anrührt, lässt den Boden unter den Füßen beben. Die ganze Nacht hindurch schwingt die Natur im Rhythmus der Trommeln“, schreibt er in seinen Erinnerungen „Mein letzter Seufzer“. Verewigt hat er diese Trommel-Szenen in seinen Filmen „Das goldene Zeitalter“ und „Nazarin“.

Frühlingsfeste: „Fallas“ und Freudenfeuer verabschieden den Winter

Der italienische Filmregisseur Federico Fellini lässt seinen Spielfilm „Amarcord“ mit dem Verbrennen von Gerümpel im Josefs-Feuer beginnen. Diese Freudenfeuer finden auch in Spanien überall in der Nacht zum 19. März - dem San-José-Tag und spanischen Vatertag - statt. Sie läuten den Frühling ein und verabschieden den Winter.

Am heftigsten wird die Frühjahrsankunft in der Mittelmeerstadt Valencia gefeiert: Dort werden die „Fallas“ angezündet, riesige und aufwendig geschaffene Skulpturengruppen, die oft satirisch lokale Politiker oder aktuelle Gesellschaftsthemen aufs Korn nehmen.

Tomatenfest in Buñol: Eine heftige Tomatenschlacht zwischen den Einwohnern

Tomaten auf den Augen? Kein seltenes Bild, wenn sich Tausende von halbnackten Menschen eine Stunde lang mit überreifen Tomaten bewerfen. Dieser Brauch hat das 10.000-Seelen-Städtchen Buñol in der Region Valencia berühmt gemacht und zieht am letzten Mittwoch im August viele Besucher aus Spanien und auch aus der ganzen Welt an. Um den Zulauf in den Griff zu bekommen, kostet die „Tomatina“ inzwischen Eintritt. Die Tickets können online erworben werden.

Die „Tomatina“ endet mit dem kollektiven Putzen der Gassen. Mehr als 100 Tonnen zerquetschter Tomaten und einige Leichtverletzte gehören üblicherweise zur Festbilanz.

Über die Ursprünge des Tomatina-Festes kursieren verschiedene Versionen, etwa diese: „Eines Tages zog ein Mann singend über den Dorfplatz. Seine Musik war so grauenhaft, dass einige Bewohner zu den Tomaten eines Gemüsestandes griffen und den Mann damit bewarfen. Immer mehr Leute kamen hinzu und das Ganze endete in einer großen Tomatenschlacht.“

Stierkampf und Stiertreiben: Umstrittene Spektakel, die viele Stadtfeste krönen

Eine wichtige Rolle nehmen in Spaniens Brauchtum der Stierkampf und die Stierhatz ein. Die Stierrennen der „San Fermines“ in der nordspanischen Stadt Pamplona in der zweiten Juliwoche sind sicher die weltweit bekannteste Fest-Veranstaltung Spaniens. Verewigt in Hemingways Roman „Fiesta“, ziehen diese lebensgefährlichen Stiertreiben junge Männer aus aller Welt an, die auch mal gerne „Torero“ spielen wollen.

Ein riskantes Vergnügen: Regelmäßig gibt es bei dieser wahnsinnigen Stierhatz viele Verletzte und manchmal auch Tote. Eine etwas kleinere Version dieser Stierläufe findet in der Stadt San Sebastián de los Reyes in der Nähe der Hauptstadt Madrid statt. Auch viele Dörfer krönen ihr Ortsfest mit einer Stierhatz oder einem Stierkampf. Auch wenn immer öfter Tierschützer protestieren und die Zahl der Stierkampffans in Spanien abnimmt.

Tiersegnung: Kirchlicher Schutz für die Tiere im Haus und auf dem Hof

Der Heilige Antonius, San Antón, wird am 17. Januar geehrt. In Gedenken an den Schutzpatron der Tiere wird in vielen spanischen Orten ausgiebig gefeiert - und die Haustiere werden gesegnet. Dann ziehen viele Pfarrer übers Land, um den Tieren den Segen zu spenden, was sie vor Krankheit und Unglück schützen soll.

In Madrid pilgern die Leute mit ihren „mascotas“, wie Haustiere im Spanischen heißen, die Calle Hortaleza entlang zur Kirche des heiligen Anton. Hunde, Katzen, Papageien, Hamster und Fische, sogar die Pferde der Polizei oder Brieftauben des Heeres erhalten den Segen. Auch in anderen Städten und Dörfern finden solche Tiersegnungen statt.

Mauren und Christen: Widerstand gegen die Mauren wird jedes Jahr gefeiert

In vielen Provinzen und fast das ganze Jahr über finden symbolische Kämpfe zwischen Mauren und Christen statt. Diese „Moros y Cristianos“ genannten historischen Spiele erinnern an den Widerstand gegen die im Mittelalter aus Nordafrika eingedrungenen maurischen Stämme. Und gegen ihre fast acht Jahrhunderte dauernde maurische Herrschaft, deren kulturelle Spuren bis heute vor allem im südspanischen Andalusien zu sehen sind.

Besonders gepflegt wird diese Tradition vom 21. bis 24. April in der Stadt Alcoy (Provinz Alicante), um der Entscheidungsschlacht im Jahr 1276 vor den Toren des Ortes zu gedenken: Zur „fiesta“ gehören farbenprächtige Umzüge, Musik, Tanz, Gesang und natürlich viel Speis und Trank.

Scherztag: Kurz nach Weihnachten werden die Menschen in den „April“ geschickt

Und nicht vergessen: Der nationale „Scherztag“ ist in Spanien übrigens nicht der 1. April, sondern kurz nach Weihnachten der 28. Dezember, der Tag der unschuldigen Kinder. Dann kann es schon mal sein, dass Radiosender, TV-Programme oder Tageszeitungen ein paar besonders kuriose Meldungen verbreiten, die man nicht unbedingt für bare Münze nehmen sollte. Clementine Kügler

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