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Fallas_in_Valencia

Fallas in Valencia: Wenn es brennt und kracht, dann haben in Valencia die „Fallas“ begonnen. Mit dem lautstarken Fest wird der Frühling begrüßt. (Bild: tur)

SPANIEN LIVE Bräuche – Je lauter, desto besser. An ausgedehnten Schlaf ist an den Tagen vor Frühlingsbeginn in der spanischen Mittelmeerstadt Valencia nicht zu denken. Schon in der Frühe werden bei den „Fallas“-Festen die ersten Kanonenschläge gezündet. Musikgruppen ziehen mit lautem Getöse durch die Stadt, um die Bewohner zu wecken. Der Lärmpegel erreicht ohrenbetäubendes Niveau, wenn mittags ein wahnsinniges Knallkörper-Konzert beginnt, die „mascletá“, bei der tausende durch eine lange Zündschnur verbundene Kracher binnen Minuten explodieren.

Die Fallas, mit denen von Mitte März an und gleich mehrere Tage lang der Frühling begrüßt wird, sind wohl das lauteste Fest Spaniens. Das Epizentrum befindet sich in Valencia, aber auch in den Dörfern der Region feiert man ziemlich heftig die Fallas. Nachdem die Weltkulturorganisation Unesco in 2016 die Fallas zum "immateriellen Kulturerbe der Menschheit" erhob, dürfte dieses Volksfest noch mehr Touristen aus aller Welt anziehen.

Die Feuerwerker werden wie Helden gefeiert – Schwarzpulvergeruch in der Luft und dunkle Rauchwolken vor der Sonne

Wenn die Kracher-Orgie auf Valencias Rathausplatz besonders gelungen ist, werden die Pyrotechniker wie Helden gefeiert und auf den Schultern getragen. Riesige Rauchwolken hüllen den Platz und zehntausende von Menschen ein, die hinter Absperrungen, auf Balkonen und am offenen Fenster dieses minutenlange Trommelfeuer über sich ergehen lassen. Der blaue Himmel Valencias verschwindet vorübergehend hinter einer grau-schwarzen Wolke.

Wer nicht weiß, was ihn erwartet, dem dürfte bei diesem Geschützlärm erst einmal der Schreck in die Knochen fahren - also nichts für schwache Nerven. Die Hartgesottenen bejubeln derweil diese Böllersymphonie, deren Ende allseits mit brausendem Beifall belohnt wird. Nach diesem Höllenwerk fließen Bier und Wein in Strömen. Und die Valencianer, für welche die Fallas die wichtigsten Festtage des Jahres sind, stürzen sich ins späte Mittagessen und auf ihre geliebte Paella.

Monatelang arbeiten Künstler an den bis zu 20 Meter hohen Figurengruppen – Bei den Fallas darf das Volk mal richtig über die Regierenden lachen

Schon von Anfang März an beginnt sich die Stadt mit ihren 800.000 Einwohnern für ihr wichtigstes Stadtfest zu rüsten: Riesige kuriose Skulpturen, die „Fallas“, werden auf den Plätzen aufgebaut. Die gigantischen bis zu 20 Meter hohen Figurengruppen nehmen auf satirische Weise lokale Politiker, Toreros und andere Persönlichkeiten der Region aufs Korn, enthalten jede Menge Anspielungen auf lokale Ereignisse oder auch Skandale. Das Volk darf sich einmal richtig lustig machen über die „oberen Zehntausend“.

Bis zum 15. März wird an diesen Rieseninstallationen gebastelt, die aus vielen Einzelfiguren ("ninots") zusammengebaut werden. Als Materialien werden vor allem Holz, Pappmaschee und Lackfarbe benutzt. Vom Abend dieses Tages an ziehen die Valencianer mit Kind und Kegel durch die Stadt, von Platz zu Platz, um die Fallas-Werke zu bewundern, um sich über die Witzfiguren totzulachen, um auf den Straßen zu feiern. Auch Stierkämpfe gehören natürlich wie überall zum Stadtfest. Und lange Prozessionen schlängeln sich durch die Stadt, tragen reichen Blumenschmuck zur Kathedrale, um sie der „Muttergottes der Schutzlosen” zu opfern.

Hunderttausende Euro werden verfeuert: Die wertvollen Fallas-Figuren werden in der letzten Festnacht abgefackelt - Danach beginnt der Frühling

Der Höhepunkt kommt in der Nacht zum 20. März, in welcher der Frühlingsbeginn sehr nahe ist: Dann werden die Figurengruppen angezündet, die Verbrennung wird "cremà" genannt. Eine nach der anderen geht in Flammen auf, schickt schwarze Rauchwolken in den Nachthimmel. Als letzte fällt das Fallas-Ensemble auf dem Rathausplatz. Die Fallas-Feuer entwickeln oft eine solche Hitze, dass die Feuerwehr die nahen Häuser mit Wasser kühlen muss, damit die Gebäude nicht auch gleich in Flammen aufgehen.

Viele hunderttausend Euro werden bei den Fallas buchstäblich verfeuert. Denn die Figuren werden in monatelanger Arbeit von Künstlern geschaffen, die von den Nachbarschaftsvereinen der „Falleros“, wie die Vereinsmitglieder heißen, beauftragt und bezahlt werden. Jeder Verein baut in seinem Stadtteil ein großes Festzelt auf, in dem es an den Fallas-Tagen vom 15. bis 19. März hoch hergeht. Die Falleros werfen sich zum Feiern in Schale und kleiden sich in Festtrachten, die an das 18. und 19. Jahrhundert erinnern.

Früher verbrannten die Handwerker nach dem Ende des Winters ihre Holzreste – Heute lassen es die Valencianer zum „Vatertag“ richtig krachen

Der 19. März, an dem die Fallas-Verbrennung beginnt, ist übrigens der Festtag des Heiligen Josef, San José, dem Schutzpatron der Schreiner, Zimmerleute und Tischler. In der Region Valencia ist es ein gesetzlicher Feiertag, in ganz Spanien ist der 19. März zudem der Vatertag – auch wenn nicht in allen Regionen ein arbeitsfreier Tag daraus wird.

Übrigens geht das Fallas-Fest angeblich auf den „Frühjahrsputz“ in den Werkstätten zurück. Jahr für Jahr misteten die Handwerker vor dem 19. März ihre Werkstätten aus und verbrannten dann die Holzreste sowie ihre großen hölzernen Kerzenständer, die sie im Winter als Lichtquelle nutzten. Irgendwann in früheren Jahrhunderten kamen sie offenbar auf die Idee, den Ständern alte Kleider umzuhängen und dazu lustige Verse zu dichten – die Geburt der Fallas.

Das Wort „fallas“ kommt wahrscheinlich von dem lateinischen Begriff „facula“ (Fackel) und bezeichnete früher vermutlich auch die Feuer auf den Leucht- und Wachtürmen an der Küste genauso wie die Freudenfeuer zu feierlichen Anlässen. Heute sind die Fallas jenes Fest, wo die Valencianer es in jeder Hinsicht so richtig krachen lassen. Ralph Schulze