Auswandern Tipps

Glückliches Leben unterm Sonnenschirm am Pool? Leider sieht die Wirklichkeit für Auswanderer in Spanien oft anders aus. (Bild: spanienlive.com)

SPANIEN LIVE Service - Viele Träumen vom Auswandern nach Spanien. Vielleicht nach Mallorca, auf die Kanaren oder an die Costa Blanca. Doch Erfahrungen zeigen, dass die Auswanderung gut geplant und vorbereitet werden muss: Die Bedingungen für Arbeit, soziale Absicherung, sicheres Einkommen und Unterkunft sollten schon vor der Abreise klar sein. Ohne spanische Sprachkenntisse dürfte es ebenfalls sehr hart werden. Experten warnen: Wer nur vor Problemen in der Heimat flüchten will, wird vermutlich auch in Spanien Schwierigkeiten haben.

Kerzenlicht wirft Schatten auf Höhlenwände, ein Zelt dient als Schlafzimmer, ein alter Camping-Gaskocher ersetzt die Küche. So leben manche Auswanderer, nicht weit von Mallorcas Touristenstrand Playa de Palma, armselig in Felslöchern. Weniger weil sie diese Unterkunft romantisch finden. Sondern weil sie weder Wohnung noch feste Arbeit haben. Auswanderer, nicht wenige aus Deutschland, deren Traum vom besseren Leben und einer neuen Existenz unter der spanischen Sonne auf der Straße endete.

Auch in der Umgebung des Flughafens von Palma der Mallorca und in manchen anderen Urlaubsorten nächtigen gestrauchelte Glücksritter unter freiem Himmel. Mehrere tausend europäische Ausländer, schätzen Experten, leben auf der Mittelmeerinsel in Armut.

Dutzende Fälle gescheiterter Existenzen stapeln sich auf den Schreibtischen der europäischen Konsulate in der Inselhauptstadt Palma. „Manche Auswanderer kommen völlig blauäugig nach Mallorca“, berichtet ein Konsulatsmitarbeiter, der sich zuweilen mehr als Sozialarbeiter denn als Diplomat fühlt.

Beim deutschen Konsulat in Palma de Mallorca stapeln sich die Fälle der gescheiterten Existenzen, die um Hilfe bitten 

Aussteiger mittleren Alters, deren hochfliegende Pläne im Urlaubsreich Mallorca nicht aufgingen. Und immer mehr Alte, die hier ihren Ruhestand verbringen wollten und mangels ausreichender Rente und Pflegeabsicherung in die Armut rutschen.

Hunderte solcher „Sozialfälle“ klopfen jedes Jahr an die Türen der Konsulate – doch das ist nur die Spitze des Eisberges des Auswanderer-Elends. Die Dunkelziffer ist hoch. „Viele scheuen sich, um Hilfe zu bitten.“

Die Diplomaten bemühen sich um Beratung, versuchen bürokratische Hürden aus dem Weg zu räumen, Familienangehörige in der Heimat ausfindig zu machen. Oder mit Hilfe der auf Mallorca engagierten karitativen Organisationen Not zu lindern.

Vor allem Senioren kommen im Krankheits- oder Pflegefall oft nicht mehr klar und rutschen in die Armut   

Ausländische Residenten, die allein auf Mallorca leben und hier kein soziales Netz haben, geraten bei schwerer Krankheit oft in Existenznot. Denn dem anfänglichen Glücksrausch auf der Insel folgt nicht selten ein schmerzhaftes Erwachen.

„Die Altersarmut unter ausländischen Residenten nimmt zu“, weiß man beim Deutsche Sozial- und Kulturverein, der Gestrandeten unter die Arme greift. Senioren, die vor 20 Jahren als zufriedene Frühpensionäre ins Paradies zogen, kommen ins kritische Alter. „Die haben zunächst ihr Leben genossen, nun fängt es überall an zu zwicken – dann beginnen die Probleme.“

Nicht wenige jüngere Auswanderer flüchten vor den Problemen in der Heimat und kommen völlig blauäugig nach Spanien

Bei den Älteren sei es meist so: „Je länger die hier leben, um so weniger Kontakt haben sie zu Deutschland.“ Oft könnten sie die spanische Sprache nicht, hätten sich nie integriert. Und dachten, dass Ihnen in Spanien vom Staat genauso geholfen wird wie in der Heimat. „Das ist aber nicht so - und so landen die Leute bei uns.“

Beim Verein, der für seine Sozialarbeit auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen ist, kümmern sich Dutzende ehrenamtliche Helfer um gestrandete Auswanderer. Mit Rat und Tat, Krankenbesuchen und Behördengängen. Oder schlicht mit Einkäufen, „damit die Leute nicht verhungern“.

Auswanderungswilligen empfiehlt der Verein, nichts zu überstürzen. Viele jüngere Sozialfälle seien auf Mallorca gestrandet, weil sie schon vor Problemen in der Heimat geflüchtet waren. „Die kommen zunächst zum Urlaub, sehen den blauen Himmel, die Sonne, sitzen beim Bier.“ Glauben, das sei das Paradies auf Erden, wollen hier neu anfangen, einen Job suchen. „Die vergessen dabei, dass auf Mallorca niemand auf sie wartet.“ Ralph Schulze 

 

OHNE SOZIALES NETZ IN SPANIEN

Europäische Diplomaten beobachten mit Sorge, dass die Zahl der sozialen Notfälle vor allem unter den älteren Spanien-Residenten zunimmt. In vielen Residenten-Siedlungen an der Costa Blanca, Costa del Sol, auf Mallorca und auch auf den Kanarischen Inseln liege das Durchschnittsalter bei 70 Jahren. „Da könnte es bald eine große Zahl von Pflegebedürftigen geben.“

Zum Beispiel unter den mehr als 500.000 deutschen Spanien-Residenten, davon etwa 70.000 auf Mallorca, die meisten im fortgeschrittenen Alter: Ihre deutsche Rente wird zwar ins Ausland überwiesen. Wenn diese nicht reicht, gibt es aber keine Sozialhilfe aus der Heimat. Auch die gesetzliche Pflegeversicherung springt nur bedingt ein: Pflegegeld wird transferiert, „Sachleistungen“ wie etwa Rollstühle oder auch die Betreuung durch ambulante Dienste oder Pflegeeinrichtungen aber nicht übernommen.

Von Spaniens löchrigem Sozialsystem können in Armut gerutschte Auswanderer noch weniger erwarten: In Spanien ist die Familie das soziale Netz. Die Experten raten Auswanderern, sich gut zu informieren, „zu integrieren und die Sprache zu lernen“. Und jene Senioren, die nicht ausreichend abgesichert sind, sollten rechtzeitig über eine Rückkehr in die Heimat nachdenken.

Offiziell sind laut der spanischen Statistikbehörde INE übrigens nur rund 200.000 Deutsche in Spanien in einer Gemeinde angemeldet. Davon hatten sich aber wiederum nur etwas mehr als die Hälfte, etwa 126.000, im Jahr 2012 auch bei der Ausländerpolizei registriert und das Ausländerzertifikat mit der NIE-Indentifikationsnummer beantragt.

Die meisten älteren Auslandsresidenten melden sich nicht an, weil sie auch noch einen Wohnsitz in der Heimat haben, steuerliche Nachteile fürchten oder schlicht der langsam mahlenden spanischen Bürokratie aus dem Weg gehen wollen.

Die Germanen sind, wenn man die Anmeldung in den Gemeinden zugrundelegt, unter den EU-Bürgern in Spanien die drittgrößte Gruppe nach den Rumänen und den Briten. Nach den Zahlen der Ausländerpolizei, welche nur die NIE-Zertifikats-Anträge zählt, kommen die Germanen erst an sechster Stelle nach Rumänen, Briten, Italienern, Bulgaren und Portugiesen. ze

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